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Reitsport

Ist der Reitsport noch zu retten?

Die Frage, ob der Reitsport noch zu retten ist, stellt sich spätestens nach den Skandalen der so genannten „Rollkur.“  Pferde werden systematisch für den großen Sport, insbesondere in der Sparte Dressursport, getrimmt. Schnell muss es gehen, so die Devise vieler Ausbilder, Reiter und Trainer. Auf Kosten der Tiere.

Während noch vor nicht langer Zeit die Pferde behutsam an ihre Leistung herangeführt wurden, bedienen sich Reiter und Ausbilder umstrittener Hilfsmethoden, um schnell ans Ziel zu gelangen. Hilfszügel, wie Schlaufenzügel, oder das Zuschnüren von diversen Riemen (Sperrriemen) im empfindlichen Maulbereich des Pferdes, oder eben das mittels grober Zügeleinwirkung bis auf die Brust ziehen des Pferdekopfes (Rollkur). Die Skala der gewaltsamen Ausbildungsmethoden ist endlos. Die klassische Ausbildungsskala eines jungen Dressurpferdes zu befolgen hingegen, wird schlichtweg übergangen.

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Reitsport im Schnellverfahren

Erfolg vor Gesundheit. Das Ziel fokussiert und oftmals ohne Rücksicht aufs Pferd. Kaum sind sie die jungen Tiere der Herdenaufzucht entrissen, geht es auch schon los mit der Ausbildung. Dann sind sie drei Jahre, oder manchmal sogar erst zweieinhalb. Anschließend muss alles ganz schnell gehen. So reisen die Reiter-Ausbilder-Pferd-Gespanne von Turnier zu Turnier. Jagen jeder Schleife, jedem Pokal nach. „Funktioniert“ das Pferd nicht mehr wie erhofft und erwartet, wird es verkauft oder ausgetauscht. Die Leidtragenden sind die Pferde. Sie werden von Hand zu Hand gereicht, von Reiter zu Reiter und von Ausbilder zu Ausbilder. Pferde werden alt, sehr alt (30+).

Ausbilder sind Vorbilder

In kaum einer anderen Sportart ist es umso wichtiger, dass sich Trainer und Ausbilder dessen bewusst sein müssen, als Vorbild für den Reiternachwuchs zu agieren. Und zwar auf ganzer Ebene. Ausbilder, die ihre Pferde und Schützlinge mit Brutalität und Gewalt zum Erfolg prügeln, sind schlechte Ausbilder und noch schlechtere Vorbilder. Im Dressursport, der einstigen Königsklasse der Reiterei, waren die Deutschen nicht zu schlagen. Weltweit. Ihre Reiterei galt als Vorbild für gutes Reiten, für ganze Nationen. Die Holländer haben die Deutschen Reiter mittlerweile überrollt. Und viele von Ihnen leider mit der bekannten Rollkur-Methode. Letztes trauriges Beispiel dieser Reitmethode, zeigte sich beim einstigen Erfolgsduo Richard Gal und Totitlas. So, bezeichnen Tierschützer und Pferdeprofis, geht Reitsport nicht. Rollkur zwingt Pferde in eine unnatürliche Haltung des Kopfes, die schon bei bloßem Hinschauen schmerzhaft erscheint und ist. Tierärzte, Reiter, Pferdeexperten, Züchter und Trainer bescheinigen dieser Ausbildungs-Methode kein gutes Attest, Tierquälerei sei es. Selbst die Tierschutzorganisation PETA stellte Strafanzeige gegen die brutale Reitweise des Hengstes Totilas.

Verantwortliche, wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung, tun sich schwer zu entscheiden, was richtig und was falsch ist und lassen ein „Rollkur ja, aber nur zehn Minuten, sie seien akzeptabel…“ zu, dass die meisten Reiter zur Weißglut treibt. Solche, die ihre Pferde nach der klassischen Ausbildungsskala ausbilden und trotzdem erfolgreich sind. Ingrid Klimke, Uta Gräf und weitere Profis werden sehr oft im Zusammenhang mit guter und feiner Dressurreiterei erwähnt. Zu retten scheint der Dressursport also doch noch. Und wahrscheinlich von den vielen guten Deutschen Dressurreitern, die sich in Harmonie und Einklang mit dem Tier befinden, obwohl es um Leistungssport geht. Schön, wünschenswert und wichtig wäre es allemal. Für alle Beteiligten.

 

 

 Der Nachwuchs sieht in jedem Ausbilder eine Vorbildfunktion. Foto: Salerno

Der Nachwuchs sieht in jedem Ausbilder eine Vorbildfunktion. So sollte es auch sein. Foto: Salerno

Bettina Salerno